Die Entdeckung des Bazillus Medialis

26 . Januar 2018 |  Susanne Krieftewirth -  Sonstiges

Ob beim Shoppen, am Bahnhof oder Zuhause, überall begegnen uns tagtäglich Printprodukte. Zeitschriften, Prospekte und Co. sind immer um uns herum. Ein Leben ohne sie ist nicht vorstellbar, ein Leben mit ihnen kann manchmal aber auch ganz schön anstrengend sein.

Die Symptome

Wenn ich zum Beispiel einkaufen fahre und so durch die Geschäfte laufe, bleibt mein Blick auf dem Weg zur Kasse automatisch am Zeitschriftenregal hängen. Ich fange an die Zeitschriften zu suchen, die bei uns im Haus produziert werden. Anfangs hören einem die Freunde und Verwandten noch zu, aber mit der Zeit interessiert es die meisten von ihnen nicht mehr. Die Bemerkung, dass die Zeitschrift XY jetzt auch ein Kunde von uns ist, wird dann eher mit einem genervten „OK“ abgewinkt. Wenn du in so einer Situation bist, merkst du, dass dich der „Bazillus Medialis“ bereits in seiner Hand hat.

In Buchhandlungen erlebe ich oft Ähnliches, wobei hier meistens ich diejenige bin, die schnell genervt ist. Ich achte mittlerweile (nach Cover und Klappentext) viel mehr auf den Verlag des Buches. Danach stelle ich das Buch oft mit einer Mischung aus Enttäuschung und Freude zurück und nehme mir vor es im Mediastore zu kaufen. Der Mediastore des Corporate Centers bietet den Mitarbeitern Bücher und Hörbücher der Verlagsgesellschaft Penguin Random House zu einem günstigeren Preis an, weil sie zum Konzern gehört.

Ab und zu versuchen Freunde und Familie aber auch von diesen Rabatten und Vorteilen zu profitieren und versuchen dich zu überreden ihnen irgendwelche Bücher oder Zeitschriften zu besorgen. Das ist allerdings nicht ohne weiteres möglich. Die vergünstigten Artikel sind nur für den Eigengebrauch der Mitarbeiter. Aber einmal im Monat findet ein Familientag im Mediastore statt, zu dem dann Familienmitglieder mitkommen können, um sich selbst umzusehen.

Aber abgesehen von der Begeisterung für die Produkte, steigert sich auch das Interesse an der Verarbeitung. Wenn man ab und an mal eine Zeitschrift oder einen Katalog durchblättert, und sei es nur weil mir jemand etwas zeigen will, fange ich in Gedanken an alles zu „analysieren“. Das beginnt dann schon bei dem mit Lack veredelten Umschlag und geht dann über in das Beurteilen der Bildbearbeitung. Es passiert irgendwann immer häufiger, dass man die Ergebnisse anderer, wie dem örtlichen Sportverein oder Supermarkt kritisiert und anderen Leuten sämtliche typografische Fehler (Typografie = Gestaltung aus Schrift, Bildern, grafischen Elementen und räumliche Aufteilung eines Layouts) auflistet.

Was aber unbedingt noch erwähnt werden sollte ist das Anfassen aller Printmedien, die auf irgendeine Weise veredelt wurden. An diesem Punkt bist du in der Regel schon unheilbar am „Bazillus Medialis“ erkrankt. Die verschiedenen Möglichkeiten Lacke aufzutragen, werden grundsätzlich erfühlt und nicht nur angesehen. Bei einem Besuch der Druckereifachmesse in Düsseldorf, sammelten ein paar von uns (mich eingeschlossen) Unmengen an verschiedenen Produkten mit den unterschiedlichsten Verarbeitungen und Veredelungen. Plakate, Spielkarten, mit Laser personalisierte Backbücher, Musterverpackungen und Lesezeichen, alles wanderte in unsere Taschen und wurde mit nach Hause genommen.

Die Diagnose

Im Großen und Ganzen lässt sich sagen, dass unsere Berufskrankheit wohl darin besteht, sich in bestimmten Momenten in einen Besserwisser zu verwandeln. Dazu kommt eine zum Glück harmlose Variante des Messie-Syndroms (die ganzen gesammelten Muster dürfen natürlich niemals weggeworfen werden, egal, ob man sie braucht oder nicht) und eine kleine Zwangsstörung, die uns dazu bringt alle Printmedien um uns herum anzutatschen.

Susanne Krieftewirth

Mediengestalterin